Die Geschichte des Dorfes Hemmern

 

Hemmern liegt, wie fast alle unsere Dörfer ringsum, nach altgermanischer Siedlungsweise in einer Mulde an einer Quelle, einem Born, dessen Wasser für die Höfe lebensnotwendig war (heute noch vorhandener Born an der Grundstraße hinter der Hofstelle Mertens).  

Sein ursprünglicher Name war Hathumare, Hathemar, Hethemere, Hedmere. Er bedeutet "Dorf am Streitborn". Diesen Namen hat das Dorf nicht wegen seiner Lage an der Grenze zwischen Kurköln und Paderborn, denn diese Landesgrenze wurde erst im Laufe des 13. Jahrhunderts gezogen, sondern wegen seiner Lage an der Grenze zwischen den markenberechtigten Orten mit ihrem reichen Waldbesitz und den nichtmarkenberechtigten Dörfern. Der ursprüngliche Waldbesitz des Ortes hatte schon in uralter Zeit den Rodungen, der Urbarmachung weichen müssen.  

Grundlage für die Einordnung der Ersterwähnung in das Jahr 1146 ist eine Urkunde Papst Eugen III., ausgestellt in Sutri (Patrimonium Petri, Italien), in der die Kurie die Besitzungen des Abdinghofklosters aufzählt und bestätigt. Unter vielen anderen Gütern erscheint auch ein Hof / Hofverband in Hedmere / Hedhmere. Das Original der Urkunde ist offenbar verloren, eine mittelalterliche Abschrift ist über den Paderborner Kleriker Kesselstadt nach Trier gelangt und war Grundlage für die Publikation im Westfälischen Urkundenbuch Bd. 5 / Papsturkunden der Provinz Westfalen im Jahr 1895. Fehler, Fälschungen sind also hier nicht ausgeschlossen.


papsturkunde Aber diese Urkunde wird bestätigt durch eine weitere Urkunde Papst Lucius III. ausgestellt in Viterbo (Südtuszien, Italien) im Jahr 1183. Dort werden, unter ausdrücklichem Bezug auf die Urkunde des Vorgängers Eugen III., die Besitzungen des Klosters erneut aufgezählt und die Liste um einige weitere Orte, die 1146 vergessen worden sind, ergänzt. Bei der großformatigen römischen Urkunde mit päpstlichem Siegel handelt es sich zweifelsfrei und unbestritten um ein unverfälschtes Original, das heute im Landesarchiv NRW in Münster aufbewahrt wird. Der Ort ist also im Jahr 1183 erwähnt und damit auch schon im Jahr 1146 nachvollziehbar. Möglich wäre nur zu erwägen, dass es sich bei dem erwähnten Hedmere nicht um Hemmern handelt.

Für Hemmern spricht aber:

1.      Hedmere steht in der Urkunde in einer Reihe mit Orten der Region, wie Nordborchen, Atteln, Alfen, Henglarn, Balhorn (ehemalige Handwerkersiedlung und Wüstung vor Paderborn) oder Scharmede.

2.     Die Schreibweise ist nahe an der des 13. Jahrhunderts: Hethmere.

 

Im Stadtarchiv zu Rüthen konnte man weitere Informationen zur Geschichte Hemmerns finden. Demnach stammt aus Hemmern bei Altenrüthen die Familie von Hemmerde, die im 14. Jahrhundert in die Rüthener Burgmannschaft gelangte. Um 1307 erhielt Gerhard von Hemmerde aus dem Schultenamt Soest als Burglehen zu Rüthen sechs Mark. 1309 werden die Brüder Gerhard und Heinrich von Hemmerde in Rüthen unter den dortigen Burgmannen genannt. Heinrich erscheint 1315 erneut in Rüthen als Zeuge auf der Burg. 1338 werden beide Brüder im Lehnregister des Grafen Gottfried von Arnsberg genannt. Unter den Lehen fällt der Vrithof in Hemmern auf, der wohl Hauptsitz der Familie war. Gerhard und Heinrich erscheinen hier unter dem Namen Karge, der sich in der Folgezeit durchsetzt. Während Heinrich mit dem alten Namen von Hemmerde bis 1379 auftritt, trägt Arnold bzw. Arnd, wohl ein Sohn Gerhards, den Namen Karge. Arnold wird 1366 ausdrücklich als Rüthener Burgmann bezeichnet. Als solcher ist er an der Fehde beteiligt, die der Erzbischof gegen den Grafen von der Mark führt. 1392 wird er für den Verlust von zwei Pferden entschädigt. Von Arnolds fünf Söhnen Heinrich, Arnd, Gerhard, Hermann und Idel sind Arnd und Idel, der auch als Karge von Hemmern erscheint, in Rüthen nachweisbar und ansässig.

Der Historiker von Steinen weiß zu berichten, dass 1377 am "Rolingerschlag" bei Hemmern eine folgenschwere Schlacht stattgefunden habe.

 kartecastrumhorn

 

 

Seit der Gründung Hemmerns hatte der Ort viele Krisen zu überstehen. Hier ist insbesondere das Jahr 1622 zu nennen. Der Herzog Christian von Braunschweig („Tolle Christian“), Administrator des Bistums von Halberstadt, kam, im 30jährigen Krieg von den katholischen Heeren auf seinem Weg in die Pfalz zurückgeworfen, in das militärisch ungedeckte Westfalen. Um sein aus Söldnern bestehendes Heer bezahlen zu können, plünderte er unsere Heimat. Der Rüthener Bürgermeister Brandis schreibt in seiner Chronik, dass Christian im Jahre 1622 neben einigen anderen Orten auch Hemmern plünderte und anschließend den Ort in Schutt und Asche aufgehen ließ. Der Ort wurde jedoch wieder aufgebaut und fiel nicht wüst wie viele andere Dörfer. 

Nach dem Ende der Streitigkeiten, die vor 370 Jahren durch den westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück beschlossen wurde, erholten sich die heimischen Orte nur langsam. Zu sehr waren Wirtschaft und Handel ruiniert worden. Das Herzogtum Westfalen, in dem Hemmern liegt, blieb in seiner Struktur bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts erhalten. Durch die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und den Machtverlust der Kirche kam es zu tiefgründigen Veränderungen. Die Kirche verlor nicht nur ihre politische Macht, sondern wurde quasi enteignet. Die jahrhundertelange Herrschaft Kurkölns über das Herzogtum Westfalen war beendet. 1803 fiel dieses auf Weisung Napoleons an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Bereits 1815 wechselte der Landesherr schon wieder. Das Herzogtum wurde als Provinz Westfalen in das Königreich Preußen eingeordnet. Die preußische Regierung teilte unsere Heimat neu ein. Hemmern liegt seitdem im Regierungsbezirk Arnsberg und gehörte zum Kreis Lippstadt.

Nach dem Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Münster / Hamm vom 09. Juli 1974 gehört Hemmern heute als Ortsteil der Stadt Rüthen im Kreis Soest an.


muehlenturm

In den Bereich der Ortschaft gehört auch die südwestlich auf dem höchsten Punkt des Haarstrangs gelegene „Spitze Warte“. Dies war ursprünglich die Bezeichnung für einen der drei Warttürme zur Sicherung der östlichen Grenze der mittelalterlichen Feldmark der Stadt Rüthen.

1856 wurde ca. 150 Meter nordöstlich der ursprünglichen Warte eine Windmühle errichtet, deren steinerner Mühlenturm später diesen Namen erhielt.

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..\Flurnamen II.pdf

Alte Postkartenmotive aus Hemmern 

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Hofstelle „Luyken“, rechts das Wohnhaus der ehemaligen Familie Schüth, Ecke Grundstraße / Wilhelmstraße um 1875

http://www.familie-luyken.de/07Genealogie/09Gen/09029.htm 



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Wohnhaus der ehemaligen Familie Schüth um 1984

  

In der Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur gibt es neben den landwirtschaftlichen Betrieben einen Stahlbaubetrieb, eine Zargenfabrik, einen Zulieferbetrieb für die Automobilindustrie. Darüber hinaus Einzelhandelsgeschäfte für Forst- und Motorgartengeräte sowie Motorradbekleidung. Insgesamt pendeln etwa 45 Personen zu Arbeitsstätten, vorwiegend in Rüthen und Lippstadt, während etwa 25 Personen in Hemmern beschäftigt sind. In der landwirtschaftlichen Struktur bestehen nur noch wenige Vollerwerbshöfe.

 

Unser Wappen

wappen Das Wappen unseres Dorfes erinnert an die hier im Mittelalter ansässige und begüterte, zu den Rüthener Burgmannen zählende Adelsfamilie derer zu Hemmern, die auch Karge genannt wurde, aber bereits im 15. Jahrhundert ausstarb

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